Darum unterstützen wir Strassenkatzen in Madrid


Heute möchte ich mich, aufgrund eines Kommentars, einmal mit der Thematik des Sterilisierens von trächtigen Katzen beschäftigen. Vorab sei versichert, dass dies niemand auf die leichte Schulter nimmt. Schliesslich sind wir Tierschützer die ersten, die das Recht auf Leben eines jeden Lebewesens respektieren.

 

Aber…….. in welches Leben wird eine Strassenkatze hineingeboren? Wenn das Kätzchen Glück hat und in einem zivilisierten Land unserer Erde geboren wird, dann kann es unter Umständen sogar recht alt werden, denn es gibt viele Privatpersonen und Tierschutzorganisationen, einige sogar nur auf Strassenkatzen spezialisiert, die sich diesem Tier widmen (Fütterung, Sterilisation, Impfung).

 

Wird das Tier aber nun in einem Land geboren, in dem evtl. sogar die Menschenrechte mit Füssen getreten werden, nun, dann sieht es mit den Überlebenschancen schlecht aus. Viele erreichen nicht einmal das Erwachsenenalter. In den sogenannten armen Ländern, schauen die Leute erst einmal, dass sie selbst etwas zum Essen auf dem Tisch haben.

 

Und Spanien gehört, wie so viele andere Mittelmeerländer auch, zu diesem armen Teil Europas, in dem obendrein noch dazukommt, dass gerade in diesem Land ganz offiziell und mit öffentlichen Geldern finanziert, Tiere zu Tode gefoltert werden.

 

Was zählt da schon das Leben einer Katze?

 

Wie vor kurzem der Freispruch von Jaime Ferrero, dem zehnfache Katzenmörder aus Talavera de la Reina gezeigt hat, ist das Leben einer Katze nichts wert. Trotz Tierschutzgesetzen. Ja, die gibt es in Spanien. So unglaublich es auch erscheinen mag.

 

Wenn vorher Strassenkatzen Freiwild für jeden, der seine sadistischen und perversen Neigungen an wehrlosen Tieren auslassen konnte, bekamen nun mit diesem Freispruch alle Tierquäler Spaniens einen Freibrief.

 

Natürlich gibt es auch in den sogenannten zivilisierten Ländern Menschen, die das Recht auf Unversehrtheit und auf Leben von Tieren nicht respektieren, doch dort werden diese Personen wenigstens der Justiz zugeführt, von der sie Gefängnis- und Geldstrafen sowie ein lebenslängliches Tierhaltungsverbot zu erwarten haben. Je nach Fall, natürlich.

 

Wenn nun also ein Kätzchen das Glück hat, nicht einem solch seelenlosen Menschen in die Hände zu fallen, lauert aber doch noch viel Unheil auf dieses kleine Lebewesen. Da wären zunächst einmal die Krankheiten, tödliche Virenerkrankungen wie die „panleucopenia“, die ein langsames, wochenlanges, schreckliches Dahinsiechen bedeuten. Die RVF, PIF,” leucemia felina”, “enteritis infecciosa felina”, und “sindrome de immunodeficiencia felina” verurteilen jede Strassenkatze zu einem langsamen und entsetzlichen Tod.

 

Ich habe bis jetzt noch kein Tier kennengelernt, das so viel schrecklichen Krankheiten ausgesetzt ist, wie die Katze. Und obendrein, das muss ich hier einmal erwähnen, gab (ich hoffe, es gehört der Vergangenheit an) es Behörden, die gesunde Strassenkatzenkolonien mit dem Virus der „panleucopenia“ infizieren liessen, um den Tieren somit den Garaus zu machen. Gift wäre in solchen Fällen wirklich gnädiger gewesen. Unglaublich ist das. Aber so sparten sie sich die Mühe, immer wieder aufs Neue Gift auszulegen oder den Katzenfänger vorbei zu schicken, denn die Katzen fielen so einem Virus zum Opfer, der sich, wenn er einmal in einer solchen Gruppe befindet, sich auf immer und ewig hält, da die Ansteckungsgefahr sehr hoch ist.

 

Überlebt ein Kätzchen die Geburt und die ersten drei-vier Wochen in der Sicherheit des Verstecks der Mutter, dann ist es nicht nur Krankheiten oder sadistischen Personen ausgesetzt, sondern auch seinem eigenen Unternehmungsdrang, der ihm zum Verhängnis wird. Es begibt sich in enge Rohre, aus denen es nicht mehr heraus kann, es fällt in irgendwelche Öffnungen, in denen es elendiglich verhungern und verdursten muss.

 

Abgesehen einmal von der Panik, die es ausstehen muss, ohne seine Mutter zu sein, die ihm nicht helfen kann.

 

Oder aber es frisst Gift, wird überfahren, von einem Hund zu Tode gebissen, wird von Schuljungen zertreten oder gegen eine Wand gedonnert, wird mit einem Schraubenzieher zu Tode gefoltert, wird ertränkt, wird erschossen, gerät in Schlagfallen oder aber ertrinkt in den sintflutartigen Regenfällen, die dem Land Spaniens ganz eigen sind.
 
Wie oft bin ich schon nachts heraus gerannt, runter zu den Kolonien, die sich unten am Strand befinden, um zu retten was zu retten war. Die armen Tiere kämpften gegen die Fluten, die von oben herab aus den Bergen hinunter ins Meer stürzten. Sie waren gefangen in ihren eigenen Zufluchten zwischen den riesigen Steinblöcken, konnten nicht mehr heraus und ertranken jämmerlich darin.

Oder aber, wenn sie es gewagt hatten, ihren Bau zu verlassen, um irgendwo anders Schutz zu suchen, wurden sie eben vom Wasser mitgerissen. Viele, die sich um Katzen kümmern, die „cuidadores“ haben schon so oft hilflos mit ansehen müssen, wie eine ganze Katzenkolonie in diesen schweren Regengüssen ertrank.

 

Überlebt ein Kätzchen das alles, nun, da bleiben dann noch immer die Stadtverwaltungen mit ihrem Gift, mit ihren Katzenfängern und den „perreras“, die staatlichen Auffanglager für Tiere, alle drei Begriffe sind mit schrecklichem Tod verbunden. Ich bin sicher, es gibt in Spanien nicht eine einzige „perrera“, die die Tiere so tötet, wie es im Tierschutzgesetz steht. Nämlich den Tieren erst nach Eintreten der Bewusstlosigkeit die Todesspritze zu setzen.


Oft werden sie zu Tode geknüppelt oder getreten, vergiftet, oder die Todesspritze wird ihnen direkt mitten ins Herz gerammt oder aber es werden ihnen muskellähmende Mittel gespritzt und die Tiere werden somit Zeugen ihres eigenen Todes. Gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein müssen sie erleben, wie sie langsam ersticken. Und ich spreche jetzt nur von Fällen, von denen wir Tierschützer zufällig etwas erfahren haben. Wenn ich an die Dunkelziffer denke, stehen mir sprichwörtlich die Haare zu Berge.

 

Vielleicht denkt jetzt jemand, dass man diese Tiere ja auch in Tierheime bringen könnte. Wer bringt es über das Herz ein frei geborenes Tier in einen Käfig zu sperren? Ich habe Katzen gesehen, die sich schreiend gegen Käfigtüren geworfen haben, mit dem Ergebnis, dass sie dann die ganze Nase offen hatten. Was wiederum zur Folge hatte, dass sich diese Wunden oft entzündeten, da niemand diesem Tier Medikamente geben konnte. Wie gesagt, Strassenkatzen sind Wildtiere und lassen sich nicht so einfach eben mal eine Tablette ins Maul schieben. Was ja unter Umständen auch bei unseren lieben Schmusekatern zuhause mitunter zu einer „misión imposible“ ausarten kann.

 

Zudem, ich kenne nicht ein einziges Tierheim hier, das eine Quarantäne macht. Mit dem Ergebnis, dass auch dort, wo man eigentlich annehmen sollte, dass die Tiere gut aufgehoben sind, die Katzen (und auch Hunde) allen Virenkrankheiten, genauso wie auf der Strasse, ausgesetzt sind. Und entsprechend dem Tod. Dass hier keiner glaubt, man würde diese wilden Katzen behandeln. Genug hat man mit den zahmen Katzen zu tun. (Eigene Erlebnisse)

 

Das ist das Leben einer Strassenkatze in Spanien. Ist es ein lebenswertes Leben? Hier kann jeder selbst nach bestem Wissen und Gewissen urteilen. Wir jedenfalls, die wir Nacht für Nacht uns um diese Tiere kümmern, ziehen es vor, jede Katze, derer wir habhaft werden können, von einem Tierarzt sterilisieren zu lassen. Auch wenn sie schon hochträchtig ist.

Die Kleinen entschlafen durch die Narkose der Mutter schon im Mutterleib, verspüren somit keinen Schmerz. Herz- und Seelenschmerz erleiden wir, die, die wir sie zum Tierarzt gebracht haben. Natürlich fragen wir uns, ob wir das Recht haben, diesen Tieren ihr junges Leben zu nehmen. Uns zerreisst es das Herz, zuzusehen, wie die Kleinen dem schützenden Körper der Mutter entnommen werden.

Aber ist ein Strassenkatzenleben in einer Stadt lebenswert?

 

Ausserdem, überleben einige Welpen die gesamte oben beschriebene Palette an Gefahren, immer entwischt uns der eine oder andere, den wir nicht einfangen können um ihn zu sterilisieren, was bedeutet, dass sich dieses Tier über Jahre hinweg fortpflanzen wird und somit zu mehr Katzenelend beiträgt.

 

Die Katzen, die weiblichen, sterben meist, Opfer von Krankheiten und Schwäche, mit so ca. drei oder vier Jahren. Hier im warmen Mittelmeerraum werden die Katzen sogar bis zu viermal im Jahr rollig. Oft säugen sie noch Welpen aus einem Wurf, sind aber schon wieder trächtig.

 

Deshalb werden die Kleinen so schnell wie möglich entwöhnt, oft viel zu früh und sind so sich selbst überlassen, was sie meist nicht überleben. Ich habe so oft miterlebt, wie Mütter ihrem eigenen Nachwuchs das Futter wegfrassen, weil sie erst einmal Kraft für sich selbst brauchten. Noch nicht einmal erholt von einem Wurf und schon wieder trächtig. Das zehrt an den Kräften der Muttertiere, die dann meist an völliger Erschöpfung sterben und natürlich auch viel anfälliger für Krankheiten sind. Alte Katzen sieht man so gut wie nie auf den Strassen.

 

Und wenn jetzt noch jemand meint, dass man die Jungtiere ja einfangen und in liebende Hände geben könnte…… tja….. wo sind sie, die vielen tausende von liebenden Händen, die dafür benötigt werden würden? Es gibt sie nicht. So einfach ist das. Zudem, ein Jungtier, das nicht von Anfang an die Berührung von Menschenhänden gewöhnt worden ist, aus dem wird niemals ein Sofa-Kuscheltier. Es wird die Nähe des Menschen dulden, sich auch streicheln lassen, aber in den Arm nehmen oder aber als Stubentiger gemütlich auf dem Sofa kuscheln…. nein.

 

Ich spreche da aus eigener Erfahrung, denn ich habe einige solcher Tiere, von denen ich glaubte, sie vermitteln zu können. Da sie aber keine „Plüschtiere“ sind, sondern ihren Charakter als freilebendes Tier bewahrt haben, will sie keiner adoptieren. Und so bin ich selbst mittlerweile auf 24 Katzen sitzengeblieben, von denen ich eigentlich angenommen habe, ein liebendes Heim für sie zu finden. Und da ich es nicht übers Herz brachte, sie wieder auf die Strasse zu setzen, sind sie eben bei mir geblieben. Und hier bleiben sie auch. Auf ihrem Sofa.

 

Zusammenfassend: Ich werde weiterhin nachts durch die Strassen huschen, bewaffnet mit Fangnetz und Lebendfalle, um so viel wie möglich an Katzen einzufangen und zu sterilisieren. Auch wenn die eine oder andere Katze schon hochträchtig sein sollte. Dies ist die einzige Möglichkeit, das schreckliche Katzenelend, welches so vielen Menschen verborgen bleibt, da Katzen Nachttiere sind, zu mildern. Übrigens: „Meine“ Katzen werden alle geimpft. So erspare ich ihnen wenigstens ein schreckliches Dahinsiechen. Vor all den anderen Gefahren, die auf sie lauern, vor allem in Form von Menschengestalten, kann ich sie leider nicht beschützen. Vor einem Leben in ständiger Angst und Schrecken.

 

Caroline Waggershauser

Quelle: http://www.sos-galgos.net